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Zeitlich (halbwegs) passend zum 954. Jahrestag des gescheiterten Versuches der Eroberung Englands durch den norwegischen König Harald III. den Harten kann in der Sendung 'Zeitwort' des SWR2 ein kurzes Interview mit mir zu Haralds Leben und der Schlacht von Stamford Bridge abgerufen werden.

In der aktuellen National Geographic ist ein spannender Artikel zu einer neuen Studie zu Bestattungen in Bauchlage im Hoch- und Spätmittelalter im deutschsprachigen Raum erschienen, für den ich um ein paar Kommentare gebeten wurde.

Da auch WeltOnline heute einen Beitrag gebracht hat, in dem meine Forschung als vorgeblicher Beleg für die Existenz weiblicher Krieger und Heerführer in der Wikingerzeit angeführt wird, sehe ich mich gezwungen, dazu nochmals eine Klarstellung zu schreiben.

Die aktuellen archäologischen Forschungen geben keinen Anhaltspunkt für die tatsächliche Lebensrealität der etwa ein Dutzend derzeit bekannten mit Waffen bestatteten Frauen aus der skandinavischen Wikingerzeit!

Die einzige wissenschaftlich haltbare Aussage, die wir derzeit beim aktuellen Forschungsstand treffen können, ist, dass tatsächlich in seltenen Fällen und unter bislang noch unklaren Umständen Frauen auch mit einzelnen Waffen, Schmuckanhängern in Waffenform oder - in den beiden Gräbern aus Birka und Nordre Kjølen - auch mit einer vollen Bewaffnung bestattet wurden.

Warum dies geschah, wissen wir jedoch nicht und alle Erklärungsversuche, die derzeit kursieren, sind nichts als reine Spekulation!

Ich persönlich halte es für möglich, dass zumindest die Frau aus dem Grab Bj 581 von Birka zu Lebzeiten eine wichtige politische Rolle gespielt hat, die durch die Waffen verdeutlicht werden sollte (mehr dazu hier und hier). Diese Rolle hat sie aber - zumindest nach Aussage der Grabbeigaben - nicht als soziale Frau innegehabt, sondern als sozialer Mann, da sie in Männerkleidung beigesetzt wurde. Sie ist also ein möglicher Beleg dafür, dass in Einzelfällen biologische Frauen in der Wikingerzeit als soziale Männer agieren konnten. Das ist ein Punkt, der zumindest in der populären Diskussion gerne übersehen wird (dazu mehr hier).

Was ich jedoch vehement zurückweisen möchte, ist die oftmals geäußerte Deutung, dass die beiden Gräber von Birka und Nordre Kjølen der Beleg für eine aktive Beteiligung von Frauen am Kampf wären!

Die Tatsache, dass es in vielen Zeiten und Kulturen tatsächlich weibliche Krieger gab (bspw. bei den Skythen), darf nicht als unreflektierte Blaupause auf andere Epochen wie eben die Wikingerzeit bezogen werden. Sowohl die Bewaffnung wie auch die daraus resultierende Kampftechnik unterscheiden sich oftmals drastisch. Waffen, die weniger körperliche Kraft als vielmehr Technik und Erfahrung benötigen, so z.B. Fernkampfwaffen wie Bögen oder Gewehre aber auch 'klassische' Fechtwaffen, gleichen körperliche Unterschiede aus und erlauben es auch körperlich schwächeren Personen (vollkommen egal ob schmächtigen Männern oder fragilen Frauen) effektiv und tödlich zu kämpfen.

Der Kampfstil der Wikingerzeit ist enorm physisch, geprägt durch den Einsatz von großen Rundschilden, schweren Breitschwertern und Äxten. Technik ist zweifelsohne wichtig (wie in jeder Art von körperlichen Auseinandersetzungen), aber im Gegensatz zu anderen Kampfformen wie bspw. dem modernen Fechten sind Kampferfahrung, Entschlossenheit/Mut und besonders körperliche Stärke die domierenden Aspekte, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Sicherlich gibt und gab es schon immer Frauen, die Männern auch körperlich ebenbürtig waren (da kann ich als Kampfsportler und Reenactment-Fechter ein Lied von singen...), aber tendenziell sind Frauen in allen Zeiten Männern körperlich deutlich unterlegen. Das lässt sich bspw. für die Wikingerzeit deutlich an den Skeletten nachweisen. Besonders markant ist dies im Falle von einem der beiden oftmals angeführten Gräber. Die junge Frau aus dem norwegischen Nordre Kjølen maß gerade einmal 150 cm bei einem geschätzten Gewicht von max. 40 kg. Damit war sie über 20 cm kleiner und etwa 30 kg leichter als der durchschnittliche Mann der Wikingerzeit. Meiner persönlichen Kampferfahrung als passioniertemThaiboxer und langjährigem Reenactment-Fechter nach wäre diese zarte Person in einem ernsthaften Kampf schlichtweg überrannt worden (dazu habe ich hier schon geschrieben).

Ich bin sicher, dass es auch in der Wikingerzeit durchaus Frauen gab, die Männern körperlich zumindest ansatzweise ebenbürtig waren und sich aktiv (und effektiv) an einem Kampf im Schildwall hätten beteiligen können. Für die meisten Frauen schließe ich das jedoch ausgehend von den deutlichen körperlichen Unterschieden und meiner eigenen Erfahrung in fast 30 Jahren Kampfsport aus.

Die spannenden neuen Ergebnisse zu den Gräbern von Birka und Nordre Kjølen, die von meinem Kollegen und guten Freund Leszek Gardeła gesammelten Frauengräber mit Waffen oder auch die Miniaturwaffenamulette aus Frauengräbern, die Leszek und ich in einem Artikel in der Archäologie in Deutschland diskutieren, zeigen eindeutig, dass unser bisheriges Wissen von Frauen in der Wikingerzeit unvollständig ist. Offensichtlich waren Waffen nicht ausschließlich männliche Attribute, sondern konnten als Symbole auch für (nicht 'von'!) Frauen verwendet werden. Die tatsächliche symbolische Bedeutung von (Miniatur-)Waffen in Frauengräbern kennen wir jedoch noch nicht und alle Mutmaßungen sind bislang eben nicht mehr als Spekulation. Ganz eindeutig sind sie aber kein archäologisch sicherer Beleg für kämpfende Kriegerinnen!

Morgen Vormittag zwischen 09:35–10:00 Uhr wird in der Sendung 'Tag für Tag' beim Deutschlandfunk ein Interview mit Prof. Dr. Dr. Rudolf Simek und mir zur Missionierung Grönlands in der Wikingerzeit ausgestrahlt. Den Text zum Beitrag inklusive ein paar Bilder gibt es hier.

In der aktuellen Ausgabe der NZZamSonntag vom 06.06.2020 ist ein längerer Artikel zu Doppelbestattungen in der Vor- und Frühgeschichte erschienen, in dem ich dankenswerterweise als Spezialist zur Wikingerzeit zu Wort komme.

Am Sonntag wurde ich für eine neue Folge von Terra X vor der beeindruckenden Kulisse des Felsenmeeres interviewt und durfte im Anschluss mit meinem guten Freund Martin noch ein paar Schilde vor der Kamera zerschmettern.

Vielen herzlichen Dank für den spannenden und lustigen Drehtag an Christian Stracke und das Team von Kelvinfilm!

© Christian Stracke
© Christian Stracke

Am 28.03.2020 war ich beim WDR zu Gast und habe mit Moderator Uwe Schulz über die Plünderung von Paris durch die Wikinger unter ihrem legendären Anführer Ragnar gesprochen.

Das lange Interview (gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Brather) in der Sendung Zeitzeichen bei WDR 3/5 lässt sich hier anhören/herunterladen, die gekürzte Version beim Stichtag von WDR 2 kann man hier finden.

Am kommenden Samstag, dem 28.03.2020, spreche ich in der Radiosendung Zeitzeichen bei WDR 3/5 mit Moderator Uwe Schulz über die Plünderung von Paris durch die Wikinger unter ihrem legendären Anführer Ragnar, dem Vorbild des Ragnar aus 'Vikings'.

Das Interview wird bei WDR 3 ab 17:45 Uhr und bei WDR 5 ab 09:45 gesendet.