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In der aktuellen National Geographic ist ein spannender Artikel zu einer neuen Studie zu Bestattungen in Bauchlage im Hoch- und Spätmittelalter im deutschsprachigen Raum erschienen, für den ich um ein paar Kommentare gebeten wurde.

Nachdem bereits im letzten Herbst auf der norwegischen Insel Edøya, Møre og Romsdal, nahe der Kirche mittels Georadar durch das Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU) die Reste eines wikingerzeitlichen Schiffes in einem Grabhügel sowie Siedlungsreste entdeckt wurden, haben die Auswertungen der Daten des Georadar nun noch ein weiteres Schiffsgrab zu Tage gebracht.

Nicht-invasive Untersuchungen mittels Georadar, bei denen der Untergrund mittels Radarwellen und Magnetik abgetastet wird, haben in den letzten Jahren beeindruckende Ergebnisse geliefert, nicht zuletzt mit der Entdeckung des Schiffsgrabes von Gjellestad.

Auf der berühmten Insel von Lindisfarne vor der englischen Küste von Northumberland wurde bei Ausgrabungen ein Spielstein aus Glas gefunden, der den aus Gräbern der Wikingerzeit bekannten Spielsteinen für das Brettspiel Hnefatafl gleicht.

Das Kloster auf der Insel von Lindisfarne war am 8. Juni 793 von Wikingern überfallen worden. Obgleich es sich dabei nicht um den ersten historisch überlieferten Raubzug von Wikingern in Westeuropa handelte, gilt der Überfall von Lindisfarne bis heute als Beginn der historischen Epoche 'Wikingerzeit'.

Der Fund des Spielsteines ist von enormer Bedeutung für die wikingerzeitliche Archäologie, handelt es sich doch um einen der ersten Funde skandinavischer/wikingischer Herkunft, der auf der Insel entdeckt wurde. Ob der Spielstein tatsächlich von dem Überfall im Jun 793 stammt, kann jedoch bezweifelt werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass bereits vor 793 Kontakte zwischen den Skandinaviern und angelsächsischen Zentren wie bspw. Lindisfarne bestanden haben.

Am dänischen Nationalmuseum im Kopenhagen sind im Rahmen des Programmes „Danefæ“ von Sondengängern zwei Augenbrauenbögen von zwei vendel-/wikingerzeitlichen Helmen abgegeben worden. Ein Bogen, der zur Verstärkung (und vermutlich auch zur optischen Betonung) der vorderen Stirnpartie an der Helmkalotte über dem rechten Auge angebracht war, besteht aus vergoldeter Bronze und ähnelt von der schlangenartig gewundenen Form her deutlich den vendelzeitlichen Helmen aus den Bootsgräbern von Valsgärde. Der zweite Bogen, von der linken Augenpartie eines Helmes stammend, ist aus Bronze mit Silber- oder Zinntauschierungen und entspricht von der Ausführung her eher den wikingerzeitlichen Exemplaren, wie bei dem Helmfragment von Tjele aus Dänemark.

Die Helme der Wikingerzeit stellen Forscher noch immer vor ein Rätsel, da bislang archäologisch kaum etwas über Helme aus dieser Epoche bekannt ist - anders als in der vorangehenden Vendelzeit, aus der über 30 prachtvolle Helme überliefert sind.

In einem wikingerzeitlichen Kammergrab auf der dänischen Insel Langeland wurde den Forschungen meines guten Freundes und geschätzten Kollegens Leszek Gardeła zufolge eine Frau slawischer Herkunft bestattet. Das Grab enthielt unter anderem eine Axt und wirft neues Licht auf die Präsenz - und vor allem die Bedeutung - von Slawen in der skandinavischen Gesellschaft der Wikingerzeit.

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In der neuen Ausgabe der Archäologie in Deutschland ist auf Seite 74 eine kurze Richtigstellung bzw. Re-Evaluation des waffenführenden Frauengrabes von Birka (Bj 581) von mir abgedruckt. Die kurze Mitteilung basiert weitestgehend auf der bereits in meinem Blog veröffentlichten Meldung, in der ich - basierend auf der zweiten Publikation des schwedischen Forscherteams rund um Charlotte Hedenstierna-Jonson und Anna Kjellström - meine kritische Sichtweise auf die Ergebnisse zum Grab Bj 581 mit der "Kriegerin" von Birka revidieren musste.

Bei Ausgrabungen in Gamla Uppsala in Schweden sind im Juni zwei Bootsgräber entdeckt worden, die ersten Funde dieser Art der letzten Jahrzehnte. Während das eine Grab durch Bautätigkeiten im Spätmittelalter teilweise zerstört wurde, ist das andere Bootsgrab fast vollständig intakt erhalten; ein absoluter Glücksfall für die Archäologie und das erste Bootsgrab, das mit modernen Methoden ausgegraben und untersucht werden kann. In dem Boot war ein Mann mit voller Waffenausstattung, einem Hund und einem Pferd bestattet worden. Einer ersten Sichtung der Funde nach lässt sich das intakte Grab in die mittlere Wikingerzeit datieren. Die detaillierte Auswertung der Gräber in den kommenden Monaten verspricht spannenden neue Erkenntnisse.

Unter 'Publikationen' ist nun ein neuer Fachartikel zu Tod und Bestattung in der Wikingerzeit online abrufbar. Der Artikel basiert auf einem Vortrag von mir bei der Konferenz 'Medieval Scandinavia: new trends in research' des Centre of Historical Research von Juni letzten Jahres und ist in der, als Tagungsband fungierenden, aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Quaestiones Medii Aevi Nova abgedruckt.

In dem Artikel untersuche ich die 'Nutzung' von Tod und Bestattungen als eine Form von Ressource zur Konstruktion oder Manipulation von sozialen Identitäten und Führungs- oder Herrschaftsansprüchen.

Ein Schatz aus angelsächsischen Münzen im Wert von über 560.000 € wurde von der britischen Polizei in County Durham und Lancashire bei einem Schlag gegen den illegalen Handel mit Altertümern beschlagnahmt. Die Münzen wurden vermutlich in den 870er-Jahren unter dem berühmten angelsächsischen Herrscher Alfred dem Großen sowie einem bislang weniger bekannten König, Ceolwulf von Mercia, geprägt und scheinen als Hort von Wikingern deponiert worden zu sein. Dieser Fund ist auch wissenschaftlich von besonderem Wert, da er die Rolle von Ceolwulf von Mercia in den turbulenten Jahren der Auseinandersetzungen zwischen Angelsachsen und Wikingern in England neu beleuchtet. Ging die Forschung bislang davon aus, dass Ceolwulf ein von den Wikinger geduldeter schwacher Marionettenkönig war, zeigen die nun entdeckten Münzen, dass er eine deutlich eigenständigere und weniger von den Wikingern kontrollierte Stellung besaß.