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Seit dem Sommer 2020 wird mit dem 2018 neuentdeckten Schiffsgrab von Gjellestad, Østfold, in Norwegen erstmals seit über 100 Jahren wieder eine wikingerzeitliche Schiffsbestattung ausgegraben. Trotz der relativ schlechten Erhaltung durch jahrhundertelange Überpflügung - von dem ursprünglich etwa 22m langen Schiff ist nur noch ein Teil des Kiels mit den untersten Spanten übrig - kann nun erstmals ein Schiffsgrab mit modernsten archäologischen Methoden ergraben und untersucht werden.

Leider sind durch die Beschädigung des Grabhügels nicht nur große Teile des Schiffes zerstört worden, sondern vermutlich auch ein Großteil der Grabbeigaben und wohl auch die Bestattung. Bislang wurden jedenfalls noch keine menschlichen Knochen gefunden, die Rückschlüsse darüber zulassen würden, wer dort bestattet wurde.

Wir können allerdings sicher sein, dass es sich um eine hochgestellt Persönlichkeit gehandelt haben muss. Der im 9. Jh. - und damit ungefähr zeitgleich zu Gokstad und Oseberg - errichtete Grabhügel wurde aus fruchtbarer Muttererde aufgeschüttet, die extra von anderer Stelle nach Gjellestad gebracht wurde. Zudem weisen neue Ausgrabungen und Untersuchungen mit Bodenradar auf die große Bedeutung von Gjellestad hin.

Ausgrabungen im Bereich der Küste förderten eine Reihe von Funden wie z. B. Gewichte oder Münzen zutage, die auf die Existenz eines Hafens hindeuten (aufgrund der Landhebung seit den letzten 1000 Jahren liegt Gjellestad heute weiter landeinwärts).

Zudem konnten mittels Bodenradar neben weiteren großen Grabhügeln eine Reihe von großen Hallengebäuden nachgewiesen werden, die vermutlich zur herrschaftlichen Repräsentation und zur Kultausübung genutzt wurden, während die eigentliche Siedlung weiter landeinwärts lag.

Der Komplex von Gjellestad ähnelt damit stark anderen sogenannten Zentralplätzen wie Uppåkra, Gamla Uppsala oder dem neuentdeckten Ströja, die als Hafen- oder Handelsplatz, Herrschaftssitz und Kultzentrum bedeutende sozio-politische, ökonomische und religiöse Zentren darstellten.

Eine erste Ansiedlung in Gjellestad ist in die frühe Eisenzeit - etwa um 500 v. Chr. - zu datieren. Am Übergang zwischen Völkerwanderungs- und Vendelzeit um 500 n. Chr. wurde der große Jellhaugen errichtet, einer der größten Grabhügel Skandinaviens. Mehrere große Hallengebäude von fast 40m Länge und Funde von Goldobjekten aus der Umgebung deuten darauf hin, dass Gjellestad bereits Mitte des 1. Jtd. n. Chr. - also mehrere Jahrhunderte vor der Wikingerzeit - bereits ein bedeutendes Zentrum an der Küste von Viken zwischen dem heutigen Norwegen und Schweden war.

Informationen zu den andauernden Ausgrabungen des Schiffsgrabes von Gjellestad finden sich auf der Homepage des Kulturhistorischen Museums Oslo und eine wunderbare Animation von Gjellestad gibt es hier.

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Nachdem bereits im letzten Herbst auf der norwegischen Insel Edøya, Møre og Romsdal, nahe der Kirche mittels Georadar durch das Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU) die Reste eines wikingerzeitlichen Schiffes in einem Grabhügel sowie Siedlungsreste entdeckt wurden, haben die Auswertungen der Daten des Georadar nun noch ein weiteres Schiffsgrab zu Tage gebracht.

Nicht-invasive Untersuchungen mittels Georadar, bei denen der Untergrund mittels Radarwellen und Magnetik abgetastet wird, haben in den letzten Jahren beeindruckende Ergebnisse geliefert, nicht zuletzt mit der Entdeckung des Schiffsgrabes von Gjellestad.

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Der Grabhügel von Gjellestad, Østfold, in Norwegen soll in den kommenden Monaten ausgegraben werden. In dem zerpflügten Hügel war 2018 durch das Ludwig Boltzmann Institut mittels Georadar ein weitestgehend erhaltenes, etwa 20 Meter langes Schiff entdeckt worden. Zudem konnten weitere sieben, bislang unbekannte Grabhügel und fünf Langhäuser nachgewiesen werden.

Darstellung des Schiffsgrabes von Gjellestad in den Daten des Georadar
© NIKU / LBI ArchPro

Die Öffnung des Grabes von Gjellestad wird die erste moderne Ausgrabung eines wikingerzeitlichen Schiffes sein und verspricht weitreichende neue Erkenntnisse über Schiffsbautechniken wie auch über Grabsitte der norwegischen Wikingerzeit. Notwendig geworden ist die Ausgrabung aufgrund von Pilzbefall, der die noch erhaltenen hölzernen Strukturen des Schiffes zerstören könnte.

Im mittelnorwegischen Trøndelag wurden im Oktober zwei aufsehenerregende Bootsgräber der Wikingerzeit entdeckt, wie das NTNU University Museum in Trondheim nun bekannt gegeben hat. Bei der älteren Bestattung aus dem 8. Jh. - also dem Übergang zwischen der Vendel- und der Wikingerzeit - handelt es sich um das Grab eines Mannes, der mit seinen Waffen in einem 9-10 Meter langen Boot unter einem Grabhügel bestattet wurde. Über hundert Jahre später wurde der Grabhügel in der zweiten Hälfte des 9. Jh. wieder geöffnet und eine zweite Bestattung in einem Boot sorgfältig in dem ausgegrabenen älteren Bootsgrab niedergelegt. Diesmal handelte es sich um eine Frau, die mit reinen Schmuckbeigaben aus vergoldeter Bronze in einem etwas kleineren Boot beigesetzt wurde.

Nachbestattungen in älteren Grabhügeln oder sogar konkret in den älteren Gräbern sind nichts Ungewöhnliches in der Wikingerzeit und können sowohl im Abstand von wenigen Jahren wie auch im Abstand von mehreren Jahrhunderten vorkommen. Die Niederlegung eines Grabbootes in ein älteres Bootsgrab ist jedoch ein bislang kaum bekanntes Phänomen. Die Bedeutung dieser Handlung ist unklar. Vermutlich sollte durch die zweite Bestattung in dem Grab die Verwandtschaft der Frau mit dem ursprünglich dort bestatteten Mann hervorgehoben werden, um durch diese Familientradition einen besonderen Machtanspruch zu verdeutlichen. Möglich wäre aber auch, dass es zwischen den beiden Bestattungen zu einem sozio-politischen Umsturz kam und die neuen Machthaber durch diese Bestattung die früheren Herrscher symbolisch unter sich begraben wollten. Auf eine Klärung dieser Frage lassen aDNA- und Strontiumisotopenanalysen an den allerdings nur sehr schlecht erhaltenen Knochen hoffen.

Ein deutscher Artikel zu dem Fund ist in den 'Stuttgarter Nachrichten' erschienen, garniert mit Ausschnitten aus einem längeren Interview mit mir.

Bei Ausgrabungen in Gamla Uppsala in Schweden sind im Juni zwei Bootsgräber entdeckt worden, die ersten Funde dieser Art der letzten Jahrzehnte. Während das eine Grab durch Bautätigkeiten im Spätmittelalter teilweise zerstört wurde, ist das andere Bootsgrab fast vollständig intakt erhalten; ein absoluter Glücksfall für die Archäologie und das erste Bootsgrab, das mit modernen Methoden ausgegraben und untersucht werden kann. In dem Boot war ein Mann mit voller Waffenausstattung, einem Hund und einem Pferd bestattet worden. Einer ersten Sichtung der Funde nach lässt sich das intakte Grab in die mittlere Wikingerzeit datieren. Die detaillierte Auswertung der Gräber in den kommenden Monaten verspricht spannenden neue Erkenntnisse.

Zwischen den großen wikingerzeitlichen Grabhügeln von Borre in Vestfold, Norwegen, wurde mittels Georadar ein weiteres wikingerzeitliches Schiffsgrab entdeckt, wie Vestfolds Chefarchäologe Terje Gansum nun bekannt gegeben hat. Bisher ist nur wenig genaues über den Fund bekannt und von einer Ausgrabung soll vorerst zugunsten von weiteren nicht-invasiven Untersuchungen mittels Georadar abgesehen werden.

Heute mal kindgerechte Wikingerzeit, die Kindernachrichten "klaro" des BR haben mich gebeten, eine kurze Erklärung zu dem neuentdeckten wikingerzeitlichen Schiffsgrab in Østfold zu geben. Wie so oft bin ich wirklich erstaunt, wie viel Kinder über die Wikinger wissen. Einen Mitschnitt des Interviews gibt es hier.